Anrechnung von Untersuchungshaft auf Vorwegvollzug bei zeitiger Freiheitsstrafe
- Gericht
- BGH
- Spruchkörper
- 4. Strafsenat
- Aktenzeichen
- 4 StR 537/19
- Datum
- 12.03.2020
- Rechtsgebiet
- Strafrecht
- ECLI
- ECLI:DE:BGH:2020:120320B4STR537.19.0
Abstrakte Rechtssätze
Bei zeitiger Freiheitsstrafe neben einer Maßregelordnung kann Untersuchungshaft auf den vorweg zu vollstreckenden Teil der Freiheitsstrafe anzurechnen sein.
Die Revisionsinstanz kann im Rahmen einer wirksam auf die Frage der Dauer des Vorwegvollzugs beschränkten Revision die im Tenor zu bestimmende Dauer des Vorwegvollzugs abändern.
Ist aus den Urteilsgründen ersichtlich, dass der Angeklagte sich in Untersuchungshaft befand, obliegt es der Vollstreckungsbehörde, bei Unklarheiten über Unterbrechungen die vollständige Anrechnung der Untersuchungshaft zu prüfen.
Das Revisionsgericht kann Änderungen an der Dauer des Vorwegvollzugs vornehmen, ohne den Vorwegvollzug vollständig aufzuheben.
Vorinstanzen
vorgehend BGH, 12. März 2020, Az: 4 StR 537/19, Urteil
vorgehend LG Essen, 17. Mai 2019, Az: 65 KLs 41/18
nachgehend BGH, 12. März 2020, Az: 4 StR 537/19, Urteil
Tenor
Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Essen vom 17. Mai 2019 aus den Gründen der Antragsschrift des Generalbundesanwalts vom 17. Dezember 2019 im Ausspruch über die Dauer des Vorwegvollzugs dahin abgeändert, dass ein Jahr vier Monate und zwei Wochen der Gesamtfreiheitsstrafe vor der Maßregel zu vollziehen sind.
Die Kosten des Rechtsmittels und die dem Beschwerdeführer insoweit entstandenen notwendigen Auslagen fallen der Staatskasse zur Last.
Ergänzend bemerkt der Senat:
Die innerhalb der Revisionsbegründungsfrist wirksam auf die Frage der Dauer des Vorwegvollzugs beschränkte Revision des Angeklagten hat Erfolg. Der Senat sieht jedoch davon ab auszusprechen, dass der Vorwegvollzug entfällt (vgl. dazu BGH, Beschluss vom 10. März 2016 - 3 StR 37/16, juris; Beschluss vom 10. Dezember 2008 - 5 StR 551/08, NStZ-RR 2009, 233). Den Urteilsgründen ist zwar zu entnehmen, dass der Angeklagte sich seit dem 27. September 2018 in Untersuchungshaft befindet; es bleibt jedoch unklar, ob die Untersuchungshaft seither ununterbrochen vollzogen worden ist. Die Vollstreckungsbehörde wird die Frage vollständiger Vollstreckung der angeordneten Dauer des Vorwegvollzugs infolge der Anrechnung von Untersuchungshaft zu gegebener Zeit zu prüfen haben.
Sost-Scheible Roggenbuck Quentin Bartel Rommel
Zitiert von (22)
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- BGH · 3 StR 458/21 · 08.02.2022BtMG: Verbrauchsüberlassung statt Abgabe/Verabreichen bei Cannabis-Backwaren an Minderjährige
- BGH · 4 StR 347/23 · 22.11.2023Revision: Aufhebung der Unterbringung nach §64 StGB und Vorwegvollzug, Zurückverweisung
- BGH · 3 StR 306/22 · 12.09.2023„Cyberbunker“ als kriminelle Vereinigung (§ 129 StGB) und Grenzen des Beihilfevorsatzes
- BGH · 3 StR 343/22 · 29.06.2023BGH: „Abholer“ beim Enkeltrick „Falscher Polizeibeamter“ regelmäßig Mittäter des Bandenbetrugs
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