Treffer
BGH Urteil

Revision verworfen: Verurteilung wegen versuchter Notzucht bestätigt

Gericht
BGH
Spruchkörper
5. Strafsenat
Aktenzeichen
5 StR 410/67
Datum
19.09.1967
Rechtsgebiet
Strafrecht
Quelle
Der Angeklagte war wegen versuchter Notzucht verurteilt und erhob Revision. Der BGH verwirft die Revision, da das Landgericht aus der Gesamtschau der Umstände zutreffend Notzuchtvorsatz und einen Anfang der Ausführung festgestellt hat. Dass der Beschuldigte wegen des Herannahens einer Frau von der Tat abließ, rechtfertigt keinen strafbefreienden Rücktritt nach §46 Nr.1 StGB. Eine gesonderte Erörterung dieses Rücktrittsbedarfs war nicht erforderlich.

Abstrakte Rechtssätze

1

Der Vorsatz zur Notzucht kann aus der Gesamtheit der festgestellten Umstände geschlossen werden; eine Verurteilung kann auf einer entsprechenden Gesamtwürdigung beruhen.

2

Ein Anfang der Ausführung liegt vor, wenn objektiv erkennbare Handlungen unmittelbar auf die Tatausführung gerichtet sind.

3

Ein strafbefreiender Rücktritt nach §46 Nr.1 StGB setzt voraus, dass der Täter freiwillig und aus eigenem Entschluss von der weiteren Tatausführung ablässt, nicht jedoch wenn äußere Umstände ihn zum Abbruch veranlassen.

4

Wenn die Feststellungen eindeutig ergeben, dass die Voraussetzungen des strafbefreienden Rücktritts nicht vorliegen, braucht das Tatgericht diese Frage nicht gesondert zu erörtern.

5

Die revisionsgerichtliche Überprüfung der Beweiswürdigung ist eingeschränkt; eine sachlich begründete, rechtsfehlerfreie Würdigung des Tatrichters ist zu achten.

Vorinstanzen

Landgericht Hannover, 23. Februar 1967

Rubrum

BUNDESGERICHTSHOF IM NAMEN DES VOLKES URTEIL

in der Strafsache gegen den Schlachtergesellen Ewald ██ aus ███, ██████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████████ in ███, Kreis [REDACTED], geboren █████████████, ███, wegen versuchter Notzucht

Der 5. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat in der Sitzung vom 19. September 1967, an der teilgenommen haben:

Senatspräsident Prof. Dr. Sarstedt als Vorsitzender,

Bundesrichter Schmidt, Bundesrichter Siemer, Bundesrichter Schmitt, Bundesrichter Kersting als beisitzende Richter,

Bundesanwalt ████ als Vertreter der Bundesanwaltschaft,

Rechtsanwalt ███████████████, ███ als Verteidiger,

Justizobersekretär ██

Tenor

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts in Hannover vom 23. Februar 1967 wird verworfen.

Die Kosten des Rechtsmittels werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

Von Rechts wegen.

Gründe

Der Angeklagte rügt mit der Revision Verletzung des sachlichen Rechts. Das Rechtsmittel hat keinen Erfolg.

Die Merkmale des inneren Tatbestands der versuchten Notzucht sind rechtsfehlerfrei dargetan. Es ist rechtlich nicht zu beanstanden, dass das Landgericht den angeführten Gesamtumständen den Notzuchtvorsatz entnommen hat (UA S. 7). Nach den Urteilsgründen konnte das Landgericht überzeugt sein, dass das festgestellte Verhalten des Angeklagten in seiner Gesamtheit die Möglichkeit ausschloss, es sei ihm nur auf einen freiwillig gewährten Geschlechtsverkehr angekommen. Der Tatrichter hat den Notzuchtvorsatz nicht, wie die Revision meint, aus der von dem Zeugen ███ bekundeten Bemerkung des Angeklagten geschlossen, dass „es“ passiert wäre, wenn Ingeborg mitgemacht hätte. Nach dem Zusammenhang soll diese Erwägung im Rahmen der Beweiswürdigung (UA S. 6) offensichtlich lediglich dazu dienen, darzutun, dass der zunächst alles bestreitende Angeklagte sich bereit gefunden hat, „der Wahrheit wenigstens teilweise die Ehre zu geben“ (UA S. 6).

Es kann nicht zweifelhaft sein, dass ein Anfang der Ausführung vorlag.

Die Feststellung des Urteils, dass der Angeklagte von seinem Vorhaben abließ und fortlief, weil sich eine Frau näherte, ergibt eindeutig, dass die Voraussetzungen des strafbefreienden Rücktritts vom nicht beendeten Versuch (§ 46 Nr. 1 StGB) nicht vorlagen. Bei dieser Sachlage war es nicht erforderlich, diesen Gesichtspunkt im Urteil ausdrücklich zu erörtern.

Die Entscheidung entspricht dem Antrag des Generalbundesanwalts.

SchmidtSarstedtKersting
SiemerSchmitt