Duldung der Beseitigung tatsächlich-öffentlicher Verkehrsflächen auf Privatgrundstücken
- Rechtsgebiet
- Öffentliches Recht
Abstrakte Rechtssätze
Für die Eigenschaft einer Straßenfläche als öffentliche Verkehrsfläche ist bei der Widmungsfiktion nach Art. 67 Abs. 4 BayStrWG grundsätzlich die Ersteintragung im Bestandsverzeichnis maßgeblich; regelmäßig erfasst die Widmung nur die dort genannten Flurnummern.
Wird ein Straßengrundstück mit eigener Flurnummer im Bestandsverzeichnis eingetragen, müssen Nachbareigentümer nicht damit rechnen, dass die Widmung über die Grenzen der eingetragenen Flurnummer hinausgreift; nicht genannte Teilflächen bleiben Privateigentum (negative Publizität).
Die Widmungsfiktion nach Art. 6 Abs. 8 BayStrWG ist als Ausnahme vom formellen Widmungsprinzip eng auszulegen und setzt zudem voraus, dass der Straßenbaulastträger für den neuen Straßenteil die Verfügungsbefugnis nach Art. 6 Abs. 3 BayStrWG besitzt; ohne dingliches Recht oder Zustimmung des Berechtigten tritt die Fiktion nicht ein.
Eine auf nicht gewidmetem Grund liegende, aber durch Duldung konkludent für den allgemeinen Verkehr freigegebene Wegefläche ist eine tatsächlich-öffentliche Verkehrsfläche, die straßenverkehrsrechtlichen Bindungen unterliegt; der Eigentümer kann die Freigabe grundsätzlich widerrufen, sofern der Widerruf nicht verwirkt oder rechtsmissbräuchlich ist.
Auch nach wirksamem Widerruf darf der Eigentümer eine tatsächlich-öffentliche Verkehrsfläche nicht ohne Weiteres eigenmächtig sperren oder beseitigen, sondern benötigt behördliche Zustimmung oder einen vollstreckbaren gerichtlichen Titel; eine Veränderungssperre dient nicht der bloßen Aufrechterhaltung der Verkehrsnutzung und erfordert ein planungsbezogenes Sicherungsbedürfnis.
Zitiert (9)
- BGH · V ZR 181/13 · 16.05.2014Unterirdische Nachbarleitungen: Widerruf der Gestattung und Selbstbeseitigung trotz Duldung
- BVerwG · 5 C 11/17 · 26.04.2018§ 42b Abs. 4 Nr. 4 SGB VIII: Monatsfrist beginnt erst mit festgestellter Minderjährigkeit
- BVerwG · 4 BN 13/20 · 07.05.2020Bebauungsplan: Substantiierungsanforderungen an die Rüge nach § 215 Abs. 1 BauGB
- BVerfG · 2 BvR 780/16 · 22.03.2018BVerfG: Beamte auf Lebenszeit als Richter auf Zeit (§§ 17 Nr. 3, 18 VwGO) grundsätzlich zulässig
- Oberverwaltungsgericht NRW · 13 A 161/08 · 16.09.2009E-GSM-Frequenzen: Kein Zuteilungsanspruch für GSM-R bei Widmung nur für öffentlichen Mobilfunk
- Oberverwaltungsgericht NRW · 11 A 2467/16 · 18.09.2018Konkludente Widmung privater Gehwegfläche: strenge Anforderungen nach Art. 14 GG
- BVerwG · 9 B 12/13 · 12.07.2013Duldungsanspruch bei rechtswidrigem Überbau unterliegt nicht der Verjährung
- BGH · II ZR 241/10 · 19.06.2012LPG-Umwandlung in GmbH & Co. KG gescheitert: Eigentumsansprüche trotz Rechtsmissbrauchseinwand
- BVerwG · 9 C 5/15 · 12.05.2016Vorausleistung auf Erschließungsbeitrag: Abrechnungseinheit und Alternativberechnung bestätigt