Vorläufige Dienstenthebung und 50%-Einbehalt bei Steuerhinterziehung eines Finanzbeamten
- Rechtsgebiet
- Öffentliches Recht
Abstrakte Rechtssätze
Eine vorläufige Dienstenthebung nach § 91 DO NRW setzt neben der Einleitung eines förmlichen Disziplinarverfahrens den Verdacht eines Dienstvergehens voraus, das voraussichtlich mindestens eine disziplinargerichtliche Maßnahme von Gewicht nach sich ziehen kann.
Das Steuergeheimnis (§ 30 AO) steht der disziplinarrechtlichen Verwertung steuerlicher Erkenntnisse nicht entgegen, wenn ein zwingendes öffentliches Interesse i.S.d. § 30 Abs. 4 Nr. 5 AO vorliegt; dieses erfordert die Gefahr schwerer Nachteile für das allgemeine Wohl bei Unterbleiben der Offenbarung/Verwendung.
Bei der Prüfung des zwingenden öffentlichen Interesses ist maßgeblich, ob der bekannt gewordene Sachverhalt nach Art und Gewicht eine disziplinarrechtliche Überprüfung unabweisbar erscheinen lässt und die Informationen geeignet sind, eine schwerwiegende Disziplinarmaßnahme (insbesondere Entfernung aus dem Dienst) zu tragen.
Die Herkunft der steuerlichen Erkenntnisse aus einer Selbstanzeige nach § 371 AO begründet nicht generell ein Verwertungsverbot; ein daraus folgender Interessenausgleich ist vorrangig auf Ebene disziplinarrechtlicher Milderungsgründe zu berücksichtigen.
Eine Einbehaltung von bis zur Hälfte der Dienstbezüge nach § 92 Abs. 1 DO NRW ist zulässig, wenn nach summarischer Prüfung eine Entfernung aus dem Dienst wahrscheinlicher ist als eine mildere Maßnahme und die Höhe der Einbehaltung die angemessene Lebensführung nicht unzumutbar gefährdet.