Konzessionsvergabe Stromnetz: Intransparente Kriterien und Nebenleistungen kartellrechtswidrig
- Rechtsgebiet
- Öffentliches Recht
Abstrakte Rechtssätze
Gemeinden handeln bei der Vergabe von Wegenutzungsrechten nach § 46 EnWG als Unternehmen und sind auf dem örtlichen Markt für Wegenutzungsrechte marktbeherrschend im Sinne der §§ 19, 20 GWB a.F.
Das Diskriminierungs- und Transparenzgebot bei der Konzessionsvergabe verlangt, dass Auswahlkriterien einschließlich maßgeblicher Unterkriterien sowie deren Gewichtung den Bietern rechtzeitig vor Angebotsabgabe offengelegt und bei der Wertung strikt beachtet werden.
Auswahlkriterien sind vorrangig an den Zielen des § 1 Abs. 1 EnWG (u.a. Sicherheit, Preisgünstigkeit, Effizienz) auszurichten; gemeindliche Eigeninteressen dürfen nur innerhalb der in § 46 Abs. 1 Satz 2 EnWG und § 3 KAV gezogenen Grenzen berücksichtigt werden.
Die Aufnahme unentgeltlicher, marktwerthaltiger Zusatzleistungen in einen Konzessionsvertrag stellt eine unzulässige Nebenleistung im Sinne von § 3 KAV dar und kann einen kartellrechtlichen Behinderungsmissbrauch bei der Konzessionsvergabe begründen.
Vereinbarungen zwischen Gemeinden und kommunalen Partnern, die auf eine Vorfestlegung zugunsten eines bestimmten Konzessionsbewerbers und damit auf eine Einschränkung des Wettbewerbs um Konzessionen gerichtet sind, verstoßen gegen § 1 GWB a.F. und sind nach § 134 BGB nichtig.
Zitiert (17)
- BGH · KZR 66/12 · 17.12.2013Stromnetz Berkenthin: Diskriminierende Konzessionsvergabe macht Netzüberlassungsanspruch unzulässig
- Oberlandesgericht Düsseldorf · VII-Verg 88/04 · 24.02.2005§ 13 VgV bei freihändiger Vergabe: Informationspflicht, Wartefrist und Vertragsnichtigkeit
- BGH · KZR 65/12 · 17.12.2013Stromnetz Heiligenhafen: Konzessionsvergabe an Eigenbetrieb nur diskriminierungsfrei und transparent
- Oberlandesgericht Düsseldorf · VII-Verg 48/09 · 03.03.2010Vergabenachprüfung: Corporate Design als Leistungsbeschreibung und Bewertungsmatrix zulässig
- Oberlandesgericht Düsseldorf · VII-Verg 7/13 · 12.06.2013VOF-Vergabe Generalplaner Stadtbad: funktionale Ausschreibung und Angebotsausschluss
- Oberlandesgericht Düsseldorf · VII-Verg 26/12 · 09.01.2013ÖPP-Partner für kommunale Netzgesellschaft: keine Präjudizierung späterer § 46 EnWG-Konzession
- Oberlandesgericht Düsseldorf · VII-Verg 49/05 · 22.09.2005Vergabenachprüfung: Erledigung der Zuschlagsgestattung nach § 115 GWB und Eignungsmaßstab
- Oberlandesgericht Düsseldorf · VII-Verg 16/11 · 03.08.2011VOF-Verhandlungsverfahren: Unzulässige Vermischung von Eignungs- und Zuschlagskriterien
- Oberlandesgericht Düsseldorf · VII-Verg 65/08 · 04.02.2009Vergabenachprüfung nach Direktvergabe von Restarbeiten: Unzulässigkeit und fehlende Rechtsverletzung
- Oberlandesgericht Düsseldorf · VII-Verg 30/12 · 19.12.2012Sektorenvergabe: Mindestumsatz als Eignungskriterium und Anwaltszuziehung vor VK
- Oberlandesgericht Düsseldorf · VII-Verg 22/13 · 11.12.2013Vergabeverfahren: Unbestimmte Leistungsbeschreibung ohne Ausführungspläne (§ 7 VOB/A-EG)
- Oberlandesgericht Düsseldorf · VII-Verg 25/06 · 05.07.2006VOB/A-Eignung: Handwerksrolleneintrag erst bis Vergabeentscheidung nachweisbar
- Oberlandesgericht Düsseldorf · VII-Verg 50/05 · 22.09.2005Vergabenachprüfung: Zuschlagsgestattung erledigt; Verlängerung der aufschiebenden Wirkung abgelehnt
- Oberlandesgericht Düsseldorf · VII-Verg 34/11 · 10.08.2011Vergabe: Ausschluss wegen nicht gesichertem Unterbringungskonzept (Genehmigungsbefristung)
- Oberlandesgericht Düsseldorf · VII-Verg 4/13 · 19.06.2013Rettungsdienst-Vergabe: Zu kurze Fristen und intransparente Wertung schließen Zuschlag aus
- Oberlandesgericht Düsseldorf · VII-Verg 64/10 · 11.05.2011Sektorenvergabe: Zuschlagskriterium „Wirtschaftlichkeit“ ohne Matrix verletzt Transparenz
- Oberlandesgericht Düsseldorf · VII-Verg 10/09 · 30.07.2009Vergaberecht: Wertungsspielraum bei „technischem Wert“ und Pauschalpreis-Nebenangebot