Elterngeldkürzung durch § 2 Abs. 2 S. 2 BEEG auch in laufenden Bewilligungen
- Rechtsgebiet
- Sozialrecht
Abstrakte Rechtssätze
Die Bewilligung von Elterngeld für mehrere zukünftige Bezugsmonate ist ein Verwaltungsakt mit Dauerwirkung im Sinne von § 48 SGB X, wenn sie ein fortlaufendes Leistungsrechtsverhältnis für den Bewilligungszeitraum begründet.
Eine Gesetzesänderung, die die Anspruchsvoraussetzungen oder die Berechnungsparameter einer laufenden Sozialleistung ändert, kann eine wesentliche Änderung der rechtlichen Verhältnisse nach § 48 Abs. 1 S. 1 SGB X darstellen.
Fehlt eine ausdrückliche Übergangsregelung, ist der zeitliche Anwendungsbereich einer Gesetzesänderung anhand von Normzweck und Gesetzgebungsmaterialien zu bestimmen; eine bewusste Ablehnung einer Stichtagsregelung spricht für die Erfassung laufender Leistungsfälle.
Die Anwendung einer ab Inkrafttreten wirkenden Leistungskürzung auf noch nicht abgeschlossene Leistungszeiträume begründet regelmäßig eine unechte Rückwirkung, die nach Abwägung von Gemeinwohlbelangen und Vertrauensschutz verfassungsrechtlich zulässig sein kann.
Die einkommensabhängige Absenkung des Elterngeld-Prozentsatzes bei höheren Voreinkommen kann mit Art. 3 Abs. 1 GG vereinbar sein, wenn sie dem legitimen Ziel dient, Geringverdienende relativ zu begünstigen und sich im Gestaltungsspielraum des Gesetzgebers hält.