SGB II: Erbschaft in Wohlverhaltensphase voll als Einkommen anzurechnen
- Rechtsgebiet
- Sozialrecht
Abstrakte Rechtssätze
Eine während laufenden SGB-II-Bezugs anfallende Erbschaft ist Einkommen i.S.d. § 11 SGB II und nicht Vermögen i.S.d. § 12 SGB II.
Ein erbrechtlicher Wertzuwachs mindert den Bedarf erst ab dem Zeitpunkt, in dem das Erbteil tatsächlich als „bereites Mittel“ zur Bedarfsdeckung zur Verfügung steht.
Wird dem Leistungsberechtigten eine Erbschaft ausgezahlt, ist sie grundsätzlich in voller Höhe als Einkommen zuzurechnen, auch wenn der Schuldner in der Wohlverhaltensphase nach § 295 Abs. 1 Nr. 2 InsO die Hälfte an den Treuhänder herausgeben muss.
Die Subsidiarität der Grundsicherung gebietet, vorhandene Mittel vorrangig zur Sicherung des Lebensunterhalts einzusetzen; eine Verwendung zur Schuldentilgung lässt die Anrechenbarkeit des Zuflusses unberührt.
Eine einmalige Einnahme ist nach § 11 Abs. 3 SGB II ab dem Folgemonat auf einen Zeitraum von sechs Monaten zu verteilen, wenn im Zuflussmonat bereits Leistungen ohne Berücksichtigung der Einnahme erbracht wurden.
Zitiert (6)
- BSG · B 4 AS 99/10 R · 18.01.2011SGB II: Weiterbewilligung nach Ablauf des Bewilligungszeitraums nur auf Fortzahlungsantrag
- BSG · B 14 AS 32/08 R · 18.02.2010SGB II: Haushaltsgemeinschaft erfordert Vermutung; keine Bedarfsdeckung ohne Zuflussnachweis
- BSG · B 4 KG 1/10 R · 10.05.2011Kinderzuschlag: Gepfändetes Alg als Einkommen; Ausnahme bei nicht realisierbarer Pfändungsaufhebung
- BSG · B 4 AS 21/10 R · 21.06.2011Alg II: Ansparrücklage (§ 7g EStG) als Einkommen nur bei „bereiten Mitteln“
- BSG · B 14 AS 45/09 R · 24.02.2011SGB II: Erbschaftszufluss nach Antragstellung als Vermögen bei Erbfall vor Antrag
- BSG · B 14 AS 101/11 R · 25.01.2012SGB II: Erbschaft nach Antragstellung als Einkommen; Anrechnung ab Verfügbarkeit als „bereite Mittel“