SGB II: Lebensversicherung als Vermögen; kein Härtefall trotz Altersvorsorgezweck
- Rechtsgebiet
- Sozialrecht
Abstrakte Rechtssätze
Lebensversicherungen sind als verwertbares Vermögen nach § 12 Abs. 1 SGB II zu berücksichtigen, soweit ihr Rückkaufswert die Freibeträge nach § 12 Abs. 2 SGB II übersteigt und keine Ausnahme nach § 12 Abs. 3 SGB II greift.
Ein Freibetrag für Altersvorsorgevermögen nach § 12 Abs. 2 Nr. 3 SGB II setzt einen vertraglich vereinbarten Verwertungsausschluss voraus; fehlt eine solche Vereinbarung oder ist sie wegen Vertragslaufzeit (Ablauf vor Vollendung des 60. Lebensjahres) rechtlich nicht möglich, scheidet die Privilegierung aus.
Offensichtliche Unwirtschaftlichkeit i.S.d. § 12 Abs. 3 Satz 1 Nr. 6 Alt. 1 SGB II liegt vor, wenn der Rückkaufswert einer Lebensversicherung in einem deutlichen Missverhältnis zu den eingezahlten Beiträgen steht; bei erheblichen Verlusten kann die Verwertung ausgeschlossen sein.
Eine besondere Härte nach § 12 Abs. 3 Satz 1 Nr. 6 Alt. 2 SGB II erfordert atypische Gesamtumstände, insbesondere eine konkrete Versorgungslücke; bloße Altersvorsorgezweckbestimmung oder gewöhnliche Erwerbsbiographielücken genügen nicht.
Bei der Vermögensprüfung im SGB II ist eine Gesamtsaldierung von Aktiva und Passiva grundsätzlich ausgeschlossen; Verbindlichkeiten sind nur dann abzugsfähig, wenn sie unmittelbar auf dem jeweiligen Vermögensgegenstand lasten oder dessen Verwertung rechtlich/ tatsächlich mindern, was regelmäßig eine wirksame dingliche Belastung bzw. gegenüber dem Versicherer wirksam angezeigte Abtretung voraussetzt.
Zitiert (4)
- BSG · B 4 AS 28/09 R · 18.02.2010SGB II: Keine Erstattung von Maklercourtage beim Verkauf selbstgenutzten Eigenheims
- BSG · B 8 SO 19/10 R · 25.08.2011Grundsicherung: Kapitallebensversicherung mit Verwertungsausschluss als verwertbares Vermögen
- BGH · IV ZR 207/08 · 10.03.2010Lebensversicherung: Befreiende Leistung an Inhaber des Versicherungsscheins trotz Insolvenz
- Landessozialgericht NRW · L 19 AS 582/10 B · 07.07.2010Beschwerde gegen PKH-Ablehnung: Anrechnung von Verkaufserlösen und Schonvermögen im SGB II