AsylbLG § 7 Abs. 1: Einkommen volljähriger Kinder nicht als „Familienangehörige“ anrechenbar
- Rechtsgebiet
- Sozialrecht
Abstrakte Rechtssätze
Der Begriff „Familienangehörige“ in § 7 Abs. 1 Satz 1 AsylbLG ist eng auszulegen und erfasst nur die Kernfamilie (Ehegatte/Lebenspartner und minderjährige Kinder).
Einkommen volljähriger Kinder oder sonstiger Verwandter, die mit Leistungsberechtigten nach dem AsylbLG in einem Haushalt leben, darf nicht über § 7 Abs. 1 Satz 1 AsylbLG leistungsmindernd berücksichtigt werden.
Eine Ausdehnung der Einstandspflicht nach § 7 Abs. 1 Satz 1 AsylbLG auf weitere Angehörige bedarf wegen des Eingriffs in Art. 14 Abs. 1 GG einer eindeutigen gesetzlichen Grundlage.
Der Nachrang gegenüber Ansprüchen gegen Dritte außerhalb der Kernfamilie wird im AsylbLG grundsätzlich über § 7 Abs. 3 AsylbLG abgesichert; daraus folgt, dass § 7 Abs. 1 Satz 1 AsylbLG nicht als umfassende Einstandsnorm für die „Großfamilie“ verstanden werden kann.
Bei rechtswidriger Berücksichtigung nicht anrechenbaren Einkommens Dritter steht dem Leistungsberechtigten dem Grunde nach ein höherer Anspruch nach § 3 AsylbLG zu; der Leistungsträger hat den Anspruch ohne diese Anrechnung neu zu berechnen.
Zitiert (4)
- BVerfG · 1 BvL 10/10 · 13.06.2012Prozesskostenhilfe und Beiordnung im Normenkontrollverfahren (BVerfG)
- Oberverwaltungsgericht NRW · 12 A 3543/01 · 01.03.2004AsylbLG § 7: Schwager als Familienangehöriger – Einkommensanrechnung im selben Haushalt
- Sozialgericht Aachen · S 19 AY 11/09 · 13.01.2010AsylbLG: Keine Anrechnung von Einkommen von Onkel/Tante als Familienangehörige nach §7 Abs.1 AsylbLG
- Landessozialgericht NRW · L 20 B 50/09 AY ER · 21.09.2010AsylbLG-Eilverfahren: Keine Anrechnung von Brudereinkommen nach § 7 AsylbLG