Revision verworfen: Befangenheitsrüge unzulässig; Öffentlichkeit in Jugendsache verneint
- Gericht
- BGH
- Spruchkörper
- 3. Strafsenat
- Aktenzeichen
- 3 StR 512/93
- Datum
- 27.10.1993
- Rechtsgebiet
- Strafrecht
Abstrakte Rechtssätze
Die Revision ist zu verwerfen, wenn die revisionsrechtliche Nachprüfung gemäß § 349 Abs. 2 StPO keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergibt.
Eine Befangenheitsrüge nach § 344 Abs. 2 Satz 2 StPO ist unzulässig, wenn für ihr Verständnis erforderliche frühere dienstliche Äußerungen der abgelehnten Richter nicht rechtzeitig mitgeteilt werden.
Durch eine grundlose Selbstablehnung darf der Angeklagte nicht dem verfassungsrechtlich garantierten gesetzlichen Richter entziehen.
Das Verfahren wegen einer Straftat eines Jugendlichen ist nach § 48 Abs. 1 JGG nicht öffentlich; die bloße Anwesenheit von Angehörigen mit Zustimmung der Prozessbeteiligten begründet keine Verletzung des Öffentlichkeitserfordernisses.
Vorinstanzen
Landgericht Mönchengladbach, 8. Dezember 1992
Rubrum
BUNDESGERICHTSHOF BESCHLUSS
3 StR 512/93 vom 27. Oktober 1993
in der Strafsache gegen Saban Oo. C___, geboren am ███ in ███████████████, wegen schweren Raubes
Der 3. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat auf Antrag des Generalbundesanwalts und nach Anhörung des Beschwerdeführers am 27. Oktober 1993 einstimmig
Tenor
Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Mönchengladbach vom 8. Dezember 1992 wird als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO).
Ergänzend zu dem Verwerfungsantrag des Generalbundesanwalts vom 31. August 1993 bemerkt der Senat:
Die Befangenheitsrüge ist nach § 344 Abs. 2 Satz 2 StPO schon deswegen unzulässig, weil auch in den nach Ablauf der Revisionsbegründungsfrist eingegangenen Anlagen zur rechtzeitig eingegangenen Revisionsbegründung die zum Verständnis der Befangenheitsrüge erforderlichen früheren dienstlichen Äußerungen der abgelehnten Richter, auf die diese in ihren dienstlichen Äußerungen zum Befangenheitsantrag Bezug nehmen, nicht mitgeteilt werden. Im Übrigen wäre die Rüge, falls sie in zulässiger Form erhoben worden wäre, offensichtlich unbegründet (vgl. Kleinknecht/Meyer-Goßner, StPO 41. Aufl. § 24 Rdn. 12; § 30 Rdn. 1).
Durch eine grundlose Selbstablehnung darf ein Angeklagter nicht dem verfassungsrechtlich garantierten gesetzlichen Richter entzogen werden.
Auch die Rügen wegen Verletzung der Vorschriften über die Öffentlichkeit sind unbegründet. Das Verfahren wegen einer Straftat eines Jugendlichen ist nicht öffentlich (§ 48 Abs. 1 JGG; vgl. Eisenberg, JGG 5. Aufl. § 48 Rdn. 3; Brunner, JGG 9. Aufl. § 48 Rdn. 11). Soweit durch das Hauptverhandlungsprotokoll bewiesen ist, dass am 24. November und am 8. Dezember 1992 in öffentlicher Sitzung verhandelt worden ist (die nachträgliche Berichtigung ist für die Verfahrensrüge unbeachtlich, st. Rspr., z. B. BGHSt 34, 12), beruht das Urteil nicht darauf. Denn durch die – von der Revision nicht beanstandeten – dienstlichen Erklärungen des Vorsitzenden und der Protokollführerin ist bewiesen, dass außer den Prozessbeteiligten nur die Mutter und der Bruder des Angeklagten mit Zustimmung aller Prozessbeteiligten anwesend waren.
Gründe
Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.
| Kutzer | Ruß | Miebach | |||
| Zschockelt | Winkler |