Revision verworfen: Umfangreiche Wiedergabe von Zeugenaussagen in Urteilsgründen gerügt
- Gericht
- BGH
- Spruchkörper
- 3. Strafsenat
- Aktenzeichen
- 3 StR 271/99
- Datum
- 12.08.1999
- Rechtsgebiet
- Strafrecht
Abstrakte Rechtssätze
Die Revision ist zu verwerfen, wenn die nachprüfende Überprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Beschwerdeführers ergibt (§ 349 Abs. 2 StPO).
Die Urteilsgründe dienen der Darlegung der Entscheidungsgründe und der Ermöglichung der Nachprüfung; sie sind nicht dafür vorgesehen, die Beweisaufnahme lückenlos zu dokumentieren.
Eine extensive wörtliche Wiedergabe von Zeugenaussagen in den Urteilsgründen ohne Bezug zur konkreten Beweiswürdigung ersetzt nicht die eigenverantwortliche Würdigung durch das Gericht und kann den Bestand des Urteils gefährden, wenn der Tatrichter dadurch den Eindruck erweckt, er habe auf eigene Bewertung verzichtet.
Bei Verwerfung der Revision trifft den Revisionsführer die Kostenentscheidung; er hat die Kosten des Rechtsmittels und die notwendigen Auslagen der Nebenbeteiligten zu tragen.
Vorinstanzen
Landgericht Düsseldorf, 22. Dezember 1998
Rubrum
Der 3. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat auf Antrag des Generalbundesanwalts und nach Anhörung des Beschwerdeführers am 12. August 1999 einstimmig
Tenor
Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Düsseldorf vom 22. Dezember 1998 wird als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO).
Ergänzend zu der Antragsschrift des Generalbundesanwalts bemerkt der Senat:
Das Landgericht hat in den Urteilsgründen auf nahezu 20 Seiten den Inhalt der Zeugenaussagen, darunter die Aussagen der Geschädigten in den einzelnen Verfahrensabschnitten (Aussagen vor der Polizei, bei der Exploration durch die Sachverständige und in der Hauptverhandlung), referiert. Dessen bedurfte es hier nicht.
Der Bundesgerichtshof hat wiederholt ausgesprochen, dass die Urteilsgründe nicht der Dokumentation der Beweisaufnahme dienen, sondern deren Ergebnis wiedergeben und die Nachprüfung der getroffenen Entscheidung auf Rechtsfehler hin ermöglichen sollen; eine umfangreiche Wiedergabe der Zeugenaussagen in den Urteilsgründen ohne Bezug zu Einzelheiten der Beweiswürdigung ist deshalb regelmäßig verfehlt (vgl. BGH NStZ 1997, 377; BGH, Beschlüsse vom 14. Mai 1997 – 3 StR 193/97 – und 4. Mai 1999 – 1 StR 104/99). Eine bloße Wiedergabe der Zeugenaussagen ersetzt nicht die Würdigung der Beweise. Sie kann unter – hier wegen der Erwägungen auf S. 32–34 des Urteils nicht gegebenen – Umständen sogar den Bestand des Urteils gefährden, wenn die Besorgnis besteht, der Tatrichter sei davon ausgegangen, eine breite Darstellung der erhobenen Beweise könne die gebotene eigenverantwortliche Würdigung ersetzen (BGH NStZ-RR 1998, 277; NStZ 1998, 475).
Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels und die der Nebenklägerin im Revisionsverfahren erwachsenen notwendigen Auslagen zu tragen.
| Kutzer | Miebach | Pfister | |||
| Blauth | Winkler |