Rechtsweg für Einsicht des Insolvenzverwalters in Vollstreckungsakten zu Verwaltungsgerichten
- Gericht
- BFH
- Spruchkörper
- 7. Senat
- Aktenzeichen
- VII ER-S 1/12
- Datum
- 08.01.2013
- Rechtsgebiet
- Öffentliches Recht
Abstrakte Rechtssätze
Ein Anspruch auf Zugang zu in Vollstreckungsakten beim Finanzamt enthaltenen Informationen, gestützt auf ein Informationsfreiheits- bzw. Transparenzgesetz, ist als öffentlich-rechtlicher Streitgegenstand dem Verwaltungsrechtsweg zuzuweisen.
Für die Bestimmung des zuständigen Rechtswegs kommt es auf die Rechtsgrundlage des Zugangsanspruchs an; beruht der Anspruch auf öffentlich-rechtlichen Informationszugangsregelungen, ist der Verwaltungsrechtsweg eröffnet.
Die bloße Tatsache, dass die Daten in Akten einer Finanzbehörde zu Vollstreckungszwecken geführt werden, führt nicht automatisch zur Einordnung des Streitgegenstands in das Zivilrecht.
Ein Insolvenzverwalter kann klagebefugt sein, nach öffentlich-rechtlichen Informationszugangsnormen Einsicht in behördliche Vollstreckungsakten zu verlangen; insoweit sind verwaltungsgerichtliche Rechtsbehelfe gegeben.
Vorinstanzen
vorgehend Gemeinsamer Senat der obersten Gerichtshöfe des Bundes, 19. November 2012, Az: GmS-OGB 1/12, Vorlagebeschluss
vorgehend Gemeinsamer Senat der obersten Gerichtshöfe des Bundes, 19. November 2012, Az: GmS-OGB 2/12, Vorlagebeschluss
vorgehend Gemeinsamer Senat der obersten Gerichtshöfe des Bundes, 19. November 2012, Az: GmS-OGB 3/12, Vorlagebeschluss
vorgehend BVerwG, 15. Oktober 2012, Az: 7 B 2/12, Vorlagebeschluss
vorgehend BVerwG, 15. Oktober 2012, Az: 7 B 3/12, Vorlagebeschluss
vorgehend BVerwG, 15. Oktober 2012, Az: 7 B 4/12, Vorlagebeschluss
Gründe
Der VII. Senat schließt sich der Rechtsauffassung des Bundesverwaltungsgerichts an, wonach für einen auf § 4 des Hamburgischen Informationsfreiheitsgesetzes (§ 1 Abs. 2 des Hamburgischen Transparenzgesetzes) gestützten Anspruch des Insolvenzverwalters gegen das Finanzamt auf Einsicht in die den Schuldner betreffenden Vollstreckungsakten der Rechtsweg zu den Verwaltungsgerichten eröffnet ist. Anmerkung: Antwort des BFH auf die Anfragen des Gemeinsamen Senats der obersten Gerichtshöfe des Bundes vom 19. November 2012 GmS-OGB 1/12 - 3/12 in den Verwaltungsstreitsachen beim BVerwG 7 B 2.12, 7 B 3.12 und 7 B 4.12, in denen das Bundesverwaltungsgericht mit Beschlüssen vom 15. Oktober 2012 dem Gemeinsamen Senat der obersten Gerichtshöfe des Bundes die Rechtsfrage zur Entscheidung vorgelegt, ob für eine auf § 4 des Hamburgischen Informationsfreiheitsgesetzes (nunmehr § 1 Abs. 2 des Hamburgischen Transparenzgesetzes) gestützte Klage eines Insolvenzverwalters auf Zugang zu den Informationen, die in den beim Finanzamt vorhandenen Vollstreckungsakten über den Schuldner enthalten sind, der Verwaltungsrechtsweg gegeben ist, unter Aufgabe seiner Rechtsauffassung im BFH-Beschluss vom 20.2.2011 VII B 183/10.
Zitiert (1)
Zitiert von (19)
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- Oberverwaltungsgericht NRW · 8 A 1073/14 · 24.11.2015IFG NRW: Insolvenzverwalter erhält Steuerkontoauszüge trotz § 30 AO
- Oberverwaltungsgericht NRW · 15 E 100/18 · 08.03.2018Beschwerde gegen Verweisung an Finanzgericht wegen IFG-Antrags eines Steuerschuldners zurückgewiesen
- Oberverwaltungsgericht NRW · 16 E 1195/13 · 25.08.2014Beschwerde gegen Verweisung an das Finanzgericht wegen Löschung in Steuerakte
- Verwaltungsgericht Aachen · 8 K 2198/12 · 12.02.2014IFG NRW: Insolvenzverwalter erhält Auskunft vom Finanzamt zur Insolvenzanfechtung
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- Verwaltungsgericht Düsseldorf · 29 K 75/17 · 22.01.2018Verweisung an das Finanzgericht: Einsicht in Steuerakten als Abgabenangelegenheit
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