Verfahrensbeistand: Berufsmäßigkeit festgestellt und Gesprächs-/Vermittlungsaufgabe übertragen
- Gericht
- Amtsgericht Siegen
- Spruchkörper
- Familiengericht
- Aktenzeichen
- 15 F 1778/18
- Datum
- 27.12.2018
- Rechtsgebiet
- Zivilrecht
- ECLI
- ECLI:DE:AGSI:2018:1227.15F1778.18.00
Abstrakte Rechtssätze
Der Verfahrensbeistand ist verpflichtet, die Interessen des Kindes festzustellen und dem Gericht mitzuteilen, wenn Kindesinteresse und Kindeswille auseinanderfallen.
Zur Beurteilung, ob der geäußerte Kindeswille dem Kindesinteresse entspricht und unbeeinflusst gebildet ist, sind weitergehende Ermittlungen erforderlich; dazu können Gespräche mit den Eltern und Hausbesuche gehören.
Das Gericht kann dem Verfahrensbeistand zusätzlich die Aufgabe übertragen, Gespräche mit Eltern und weiteren Bezugspersonen zu führen und am Zustandekommen einer einvernehmlichen Regelung mitzuwirken.
Die Feststellung der Berufsmäßigkeit einer Verfahrensbeiständin kann Teil des Beschlusses sein und ist für die Aufgabenwahrnehmung relevant.
Tenor
Die Verfahrensbeiständin übt ihre Tätigkeit berufsmäßig aus.
Der Verfahrensbeiständin wird zusätzlich die Aufgabe übertragen, Gespräche mit den Eltern und weiteren Bezugspersonen der Kinder zu führen sowie am Zustandekommen einer einvernehmlichen Regelung über den Verfahrensgegenstand mitzuwirken.
Gründe
Der Verfahrensbeistand ist im Rahmen seines Aufgabenkreises verpflichtet, die Interessen des Kindes festzustellen und im Verfahren zur Geltung zu bringen. Er soll dem Gericht mitteilen, wenn Kindesinteresse und Kindeswille auseinander fallen (Zöller – Philippi, ZPO, 32. Aufl., § 158 FamFG, Rn. 9). Ob der seitens des Kindes geäußerte Wille aber dem Kindesinteresse auch entspricht und frei von Beeinflussungen durch die Eltern gebildet ist, kann nur durch weitergehende Ermittlungen festgestellt werden, nämlich durch Gespräche mit den Eltern und auch Hausbesuchen. Dies gilt umso mehr, wenn ein eindeutiger Wille des Kindes nicht feststellbar ist.
Siegen, 27.12.2018
Amtsgericht
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